Zur Sache Künstler

Was sie alle verbindet, ist der Satz: “Im Prinzip bin ich kein Künstler.” Dann bücken sie sich, heben eine Feder auf und zeichnen mit dem Blut, dass aus einer zufälligen Verletzung stammt, eine Blume an die Wand. Natürlich haben sie nebenbei Berufe.

Sie stehen sich gegenüber auf Augenhöhe und eine sagt: “Irgendwann wirst du entdeckt und deine Kunst wird anerkannt, du hast soviel Talent.” Und der andere denkt dasselbe und kauft unterm Ladentisch mit falschen Namen das letzte Werk der Kameradin, obwohl er Miete zahlen müsste.

Künstler sind alle nicht von dieser Welt. Deshalb sind sie das Sprachrohr dieser Welt, die Entschlüssler. Künstler zögern um zu entscheiden, ohne sie wäre jede Welt ein kalter Ort bis ans Ende der Raumzeit. Kunst hat keine Grenzen, Farben, Geschlechter oder Ausreden. Sie muss raus und wenn sie durch die Poren des Künstlers dringt, ist das nicht immer angenehm für den oder die Herbeigeeilten.

Kunst machen macht mutig. Kunst heilt. Kunst ist Kinderkram und Kampf gegen die falsche Metapher des “Erwachsen-Seins”. Wenn “Erwachsen-Sein” bedeutet, sich zu biegen bis man knarzt und gar bricht, sollte wir vielleicht “Kinder an die Macht” an die Mauern kritzeln, auch wenn Kinder manchmal grausam sind, Kindsmörder sind es mit Sicherheit auch. Das ist der Neid der Bequemen.

Das war Kunst, denn sie biegt die bittere Wahrheit zu etwas, das uns Hoffnung gibt im Kampf gegen den Sarkasmus. Aber eigentlich sind es nur Worte. Die Sonne scheint manchmal. Doch: Künstler spielen auch im hohen Alter noch im Regen.

30.05.2017

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